KUND*IN
Museum für Kommunikation Berlin
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– Konzeption
– Illustration
– Animation -
Berlin, 2025–2026
Alltägliches bei der Briefzustellung
Ein Postfahrrad, ein Bildschirm, 3,5 Minuten – und plötzlich steckt man mittendrin im Alltag eines Postboten.
Für dieses interaktive Museumsexponat entstand ein immersives Ego-Perspektiv-Video, das durch die Besucher selbst zum Leben erweckt wird: Wer auf das originalgetreue Postfahrrad steigt und in die Pedale tritt, startet die Tour. Der Bildschirm vor einem zeigt die gefilmte Fahrt eines Postboten – aus seinen Augen, in seinem Tempo.
Während der Fahrt leert sich die Posttasche zusehends. Für jeden Brief, der zugestellt wird, taucht auf dem Screen die Person dahinter auf. Kleine Momente, die zeigen, was Briefe eigentlich sind – Verbindungen zwischen Menschen.
Aufbau
Begleitet wird die Fahrt von gezeichneten Ereignissen, die das Treiben auf der Straße lebendig machen: Ein Autofahrer lässt großzügig vor, die Sonne scheint, ein Vogel zieht vorbei. Dann wieder eine Baustelle, die den Weg versperrt, oder ein bellender Hund am vor dem Supermarkt. Das Wechselspiel aus kleinen Freuden und alltäglichen Widrigkeiten macht die Tour zu etwas Echtem.
Nach 3,5 Minuten endet die Fahrt im wohlverdienten Feierabend.
Das Projekt verbindet Videoarbeit, Illustration und Interaktionsdesign zu einer niedrigschwelligen, körperlichen Erfahrung, die alle Altersgruppen anspricht. Die physische Aktivität des Tretens wird zur direkten Handlung innerhalb der Erzählung: Wer fährt, stellt zu. Wer aufhört, hält an. Dieses einfache Prinzip schafft eine Verbindung zwischen Besucher und Inhalt, die über das reine Zuschauen hinausgeht.
Briefzustellungen
Sieben illustrierte Figuren, die Empfängerinnen und Empfänger der Post, bilden gemeinsam einen Querschnitt durch das alltägliche Leben: von den Großeltern, die auf Nachricht vom Enkel warten, über eine junge Familie bis hin zur Studentin, die auf ihren Zulassungsbescheid hofft. Das Spektrum der Charaktere ist bewusst breit gewählt, damit sich möglichst viele Besucherinnen und Besucher in einer der Figuren wiederfinden.
Jede Figur durchläuft denselben erzählerischen Moment: Sie beginnt in einem neutralen Zustand und reagiert dann auf das, was in ihrem Briefkasten landet. Diese Verwandlung ist das emotionale Herzstück des Projekts. Die Reaktionen reichen von stiller Freude bis zur deutlich sichtbaren Überraschung, von Erleichterung bis zu jenem kurzen Innehalten, das ein unerwarteter Brief auslösen kann.
Inklusiv, divers
und intersektional
Zum Leben erweckt werden die Figuren durch Animation und Vertonung: Kleine Bewegungen, ein Aufleuchten der Augen, ein Seufzen, ein Lachen – die Übergänge von neutral zu Reaktion sind sorgfältig inszeniert, um in dem knappen Moment, den die Fahrt lässt, echte Wirkung zu entfalten. Der Sound gibt jeder Figur zusätzlich eine eigene Note und verankert sie in ihrer Lebenswelt.
Jede Zustellung erzählt eine Geschichte in Sekunden.